Aktuelle Herausforderungen für die Erwachsenenbildung

Die Konferenz der Erwachsenenbildung Österreichs (KEBÖ) hat in einem Positionspapier die Schwerpunkte der Arbeit 2017 festgeschrieben und in einem Gespräch mit Frau Bundesministerin Hammerschmid diese auch in die bildungspolitische Diskussion zu Fragen der Erwachsenenbildung eingebracht.

Die KEBÖ Einrichtungen sind seit vielen Jahrzehnten österreichweit überaus erfolgreich in der Erwachsenenbildung aktiv. Ihre Effizienz und Qualität sind allgemein unbestritten – sie tragen ganz wesentlich zur Standortqualität und zum Bildungsniveau der Menschen bei. Das Grundprinzip der konstruktiven und kooperativen Zusammenarbeit prägt das wertschätzende Miteinander aller KEBÖ Verbände.

Die Ereignisse des letzten Jahres haben nicht zuletzt unter den Eindrücken der Flüchtlingsbewegung gezeigt, wie professionell und wirksam die österreichische Erwachsenenbildung Bildungsveranstaltungen konzipieren und umsetzen kann. So zählten die KEBÖ Verbände alleine im letzten Jahr mehr als 94.000 Teilnahmen in Maßnahmen für Flüchtlinge und Migrant/innen*, die kurzfristig geplant und umgesetzt werden konnten.
(*Quelle: KEBÖ-Papier zur Jahrestagung 2016 „Bildung, Flucht und Migration – was leistet die österreichische Erwachsenenbildung?“)

Die angeführten Herausforderungen beschreiben in Auszügen die Schwerpunktthemen der KEBÖ Arbeit im Jahr 2017.

Herausforderung Nr. 1 – Handhab- und finanzierbare Rahmenbedingungen im Abgabenrecht für die nebenberufliche Erwachsenenbildung sicherstellen

Der Schlüssel einer flexiblen, vielfältigen und qualitativen Erwachsenbildung sind die nebenberuflich Lehrenden, die ihr Know-how aus Wirtschaft, Wissenschaft und Praxis neben ihrem Beruf in ihrer Freizeit zur Verfügung stellen.
Durch das ab 1. Jänner 2018 wirksam werdende Meldepflichtänderungsgesetz und die damit verbundene monatliche Beitragsgrundlagenmeldung sind Anpassungen in der abgaben- und sozialversicherungsrechtlichen Abrechnungspraxis notwendig. Rechtliche Rahmenbedingungen auf einem verwaltungstechnisch akzeptablen Aufwandsniveau sind wesentlich, um ein „Funktionieren“ der Erwachsenenbildung und die so wichtige lebendige Verknüpfung von Praxis und Bildung auch weiterhin sicherzustellen. Die KEBÖ Verbände führen dahingehend bereits intensive Gespräche unter anderem auch auf politischer Ebene, die im Jänner 2017 fortgesetzt werden.

Herausforderung Nr. 2 – Förderbürokratie bei den Strukturfonds (z.B. Europäischer Sozialfonds) abbauen

Formale Anforderungen in Bezug auf Abrechnungsmodalitäten und Dokumentation von Bildungsprojekten stellen viele Projektträger vor immer größere administrative Herausforderungen, die ein qualitätsvolles inhaltliches und nachhaltiges Arbeiten im Sinne der Förderfonds erschweren und nahezu unmöglich machen. Es ist aus KEBÖ Sicht zu befürchten, dass aufgrund dieser Umstände mittelfristig weniger Projekte eingereicht und somit EU-Fördermittel für Bildung nicht im bestmöglichen Ausmaß für Österreich aus Brüssel abgeholt werden – ein Umstand, dem die KEBÖ versucht, mit ihrem uneingeschränkten Selbstverständnis und Bekenntnis zur Bedeutung von Bildung und Lebenslangem Lernen für die persönliche, wirtschaftliche und gesellschaftliche Integration entgegenzutreten. Die KEBÖ Verbände fordern in diesem Zusammenhang die politisch Verantwortlichen auf, das umzusetzen was auch im Regierungsprogramm festgehalten ist:
Abbau der übermäßigen Förderbürokratie bei den Strukturfonds.

Herausforderung Nr. 3 – KEBÖ Mandat in der Arbeitsgruppe „Zuordnung von nicht-formalen Qualifikationen zum NQR“

Die Validierung von nicht-formal und informell erworbenen Kompetenzen leistet einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung des Lebenslangen Lernens. Das NQR Gesetz ist beispielgebendes Bekenntnis für den bildungspolitischen Willen in Österreich,
Qualifikationssysteme – formale und nicht-formale – im Sinne eines Lebenslangen Lernens transparent darzustellen und besser vergleichbar zu machen. Qualitätsvalidierende Stellen – die sogenannten NQR-Servicestellen – werden gemäß NQR-Gesetz Bildungsanbieter beratend unterstützen und in deren Auftrag die Zuordnungsansuchen nicht-formaler Bildungsabschlüsse in den NQR stellen.
Unter Leitung des Bildungsressorts ist die Arbeitsgruppe zur „Zuordnung nicht-formaler Qualifikationen zum NQR“ mit der Konkretisierung der strukturellen Rahmenbedingungen der NQR-Servicestellen beauftragt. Die Arbeitsgruppe wird im Jänner ihre für 2017 anberaumte Tätigkeit aufnehmen.

Die KEBÖ wird als Teil der Arbeitsgruppe ihren Beitrag dazu leisten, um die baldige Errichtung von NQR Servicestellen zu ermöglichen.

Herausforderung Nr. 4 – Berufsreifeprüfung: Einbindung der schriftlichen Teilprüfungen Deutsch, Mathematik und Englisch in die standardisierte Reife- und Diplomprüfung (SRDP) ab April 2017

Ab April 2017 wird die Berufsreifeprüfung mit den schriftlichen Teilprüfungen Deutsch, Mathematik und Englisch in die standardisiert abgehaltenen Reifeprüfungen (SRDP) der höheren Schulen miteingebunden sein. Das Berufsreifeprüfungsgesetz wurde dem entsprechend in den Jahren 2011 und 2015 novelliert.

Die KEBÖ Verbände erwarten vom Bildungsressort, die erforderlichen rechtlichen Rahmendokumente wie Durchführungsbestimmungen und Leitfäden umgehend zu finalisieren, damit diese im Sinne einer transparenten Kommunikation zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern bereits laufender akkreditierter Vorbereitungslehrgänge ehest baldigst veröffentlicht werden können.

Herausforderung Nr. 5 – Qualität und Vielfalt in der Erwachsenenbildung fordern und fördern

Qualitätsanspruch und Professionalisierungsdenken entsprechen seit jeher dem Selbstverständnis der KEBÖ-Einrichtungen. Gleichsam stehen sie zu ihrer Überzeugung, dass es für die raschen Veränderungen in Gesellschaft und Wirtschaft eine vielfältige Erwachsenenbildung braucht, die lebenslanges Lernen ermöglicht und dessen Qualität sicherstellt.

Die KEBÖ wird sich auch 2017 für die Anerkennung der Vielfalt qualitativer Kompetenznachweise in der Erwachsenenbildung einsetzen und dafür, dass erforderliche Qualitätsbestrebungen unter Wahrung eben dieser Vielfalt mit Augenmaß vorangetrieben werden.

Herausforderung Nr. 6 – KEBÖ Jahrestagung September 2017 – Schwerpunktthema Digitale Kompetenzen

Der strukturelle Wandel zur Wissensgesellschaft mit Blick auf die umfassenden technologischen, wirtschaftlichen aber auch gesellschaftspolitischen und sozialen Veränderungen erfordert von den Menschen neben Handlungs- und Problemlösekompetenzen auch immer stärker soziale, kommunikative und demokratische Kompetenzen. Der Umgang mit neuen Technologien – Stichwort Digitalisierung und Industrie 4.0 – fordert Menschen sowohl methodisch („Wie nutze ich moderne Technologien?“) als auch persönlich („Wie sehr verändert sich mein Handeln und Denken?“).

Die KEBÖ-Jahrestagung im September 2017 wird ganz im Zeichen der Digitalisierung/Digitale Kompetenzen stehen. „Neues Denken“ und Problemlösekompetenz werden verstärkt von/m der/m einzelnen erwartet. Abseits neuer Kompetenzanforderungen bringt die Digitalisierung neue Chancen für Unternehmen, im nationalen und internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Digitale Kompetenzen der Gesellschaft sind zu entwickeln und zu fördern.

Herausforderung Nr. 7 – Stärkung des Informellen Lernens durch präzises Urheberrecht für öffentlich zugängliche Bibliotheken

Die KEBÖ deckt mit den öffentlichen Bibliotheken auch das informelle Lernen ab.

Öffentlich zugänglichen Bibliotheken soll es durch ein präzise formuliertes Urheberrecht möglich sein, – analog gedruckter Bücher – uneingeschränkt e-Books zu kaufen, zu verleihen und dafür den Autorinnen und Autoren eine angemessene Vergütung zu erstatten.

Herausforderung Nr. 8 – Information, Beratung und Orientierung für Bildung und Beruf für alle Lebensphasen gewährleisten

Der Rahmen für persönliches Leben – Informations- und Medienumfeld, familiäre Lebensbedingungen, gesellschaftliches Umfeld – fordert ebenso wie wirtschaftlich-berufliche Veränderungen – Digitalisierung, Arbeit 4.0, Mobilität – zu neuen Strategien für Orientierung und Beratung heraus. Konzepte und Modelle wie Nationaler Qualifikationsrahmen, Validierung, Akkreditierung werden für Lernende und Bürger/innen nur förderlich wirksam werden, wenn sie durch Angebote zur Information, Beratung und Orientierung unterstützt werden. Diese Angebote, die immer auch die Stärkung der Kompetenzen und Fähigkeiten der Bürger/innen und Lernenden zur eigenständigen Lebensgestaltung zum Ziel haben, müssen vom Status der „Projekte“ in nachhaltige „Programme“ übergeführt werden.

Herausforderung Nr. 9 – Vorbereitungen für Verhandlungen der Leistungsvereinbarungen 2019-2021

Das Förderungsgesetz über die Erwachsenenbildung und die Leistungsvereinbarungen zwischen Bund und KEBÖ Verbänden sind Basis für deren Bildungsarbeit und nachweisbar Ausdruck ihrer bildungspolitischen Verantwortung.
Im Herbst 2017 beginnen in der KEBÖ die Vorbereitungen für die Verhandlungen mit dem Bildungsministerium zu den Leistungsvereinbarungen für die neue Periode 2019-2021.

Herausforderung Nr. 10 – Erhöhung der Ausgaben für EB

Um die Leistungsfähigkeit und Qualität der Erwachsenenbildung sicherzustellen, wird sich die KEBÖ auch im Jahr 2017 für eine Anhebung der Bundesmittel für die Erwachsenenbildung einsetzen.

Die KEBÖ fordert die Anhebung der Bundesmittel für die Erwachsenenbildung von derzeit 0,58 Prozent des Bildungsbudgets auf zumindest 1 Prozent des Bildungsbudgets.