„Der Natur ihren Freiraum geben“

Ein Projekt des Burgenländischen Volksbildungswerkes

Vergleicht man die Artenvielfalt in einem Quadratmeter einer blütenreichen Wiese mit jener in einem Quadratmeter Einheitsrasen, so erhält man folgendes ernüchterndes Ergebnis: 3000 Einzelpflanzen und bis zu 60 verschiedene Pflanzenarten stehen höchstens 12 verschiedenen Gräsern gegenüber.
Ernüchternd ist dieses Ergebnis vor allem unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die meisten Privatgärten einen Rasen statt einer Wiese oder zumindest eines Blumenrasens haben und statt heimischer Blumen und Pflanzen oftmals exotische – für die hiesige Insektenwelt jedoch oft nutzlose – beherbergen.

Die heimische Artenvielfalt der Pflanzen- und Tierwelt verringert sich durch den umfassenden Eingriff des Menschen in die natürlichen Lebensräume drastisch. Schwindende Blumenwiesen führen zu mangelnder Nahrung für Insekten und damit auch für Vögel und andere Tierarten. Eine Vielfalt von Pflanzen findet in den hiesigen Hausgärten keinen Lebensraum mehr – das daraus resultierende Aussterben unzähliger Pflanzenarten ist die Konsequenz.

Der Einsatz von Pestiziden führt zu einer „Vergiftung“ der Blüten, Wurzeln, Stämme und teilweise sogar des Nektars und der Pollen der vorhandenen Pflanzen. Je nach Tierspezies und konsumierter Menge verursachen diese „vergifteten“ Pflanzen bei den Insekten massive Schäden, die bis hin zum Tod führen können. Wissenschaftler gehen davon aus, dass gewisse Pestizide mitunter für den Bienenschwund verantwortlich sind. Aber nicht nur Bienen, sondern auch Schmetterlinge und andere Tiere wie beispielsweise Regenwürmer und Vögel sind von den negativen Auswirkungen des Einsatzes von Pestiziden betroffen.

Alleine bei Hummeln wird davon ausgegangen, dass 24 Prozent der Arten vom Aussterben bedroht sind und bei 46 Prozent die Population zurück geht (Stand 2014, Studie der IUCN). Das Bienensterben ist in aller Munde und von den 4000 heimischen Schmetterlingsarten werden alle (215) Tagfalterarten und die wichtigsten 800 Nachtfalterarten in den Roten Listen behandelt.

Die Ergebnisse der Recherchearbeiten zu der Thematik „Artenvielfalt“ waren der Anstoß für das Burgenländische Volksbildungswerk, ein Projekt unter dem Titel „Der Natur ihren Freiraum geben“ zu konzipieren. Es zielt darauf ab, das Bewusstsein der Menschen ob der Auswirkungen der individuellen Handlungen im Hausgarten zu schärfen. Dabei steht die naturnahe Gartengestaltung im Mittelpunkt.
Naturnahe Gartengestaltung verzichtet im Rahmen dieses Projektes auf den Einsatz von Pestiziden, chemisch-synthetischen Düngern und die Verwendung von torfhaltigen Produkten und fördert im Bestfall die Bepflanzung der Gärten mit heimischen Pflanzen sowie die Schaffung von Insektenoasen. Durch gezielte Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung sollen Hobby-GärtnerInnen Lösungen für die persönliche naturnahe und damit insekten- und pflanzenfreundliche Bewirtschaftung ihrer eigenen Gärten aufgezeigt werden.
Die Themen sind dabei vielfältig – „Richtiges Kompostieren“, das „Anlegen eines Naturgartens“, die „Bekämpfung von Schädlingen mit biologischen Mitteln“, die „Anlockung von nützlichen Insekten“ mit Bezug auf private Hausgärten und/oder Balkone, um nur einige zu nennen.

Des Weiteren wird im Rahmen des Projektes durch unterschiedlichste Formen von Bildungsveranstaltungen die umfangreiche Artenvielfalt im Burgenland dargestellt, um das Bewusstsein für die heimischen Naturschätze zu stärken.
Die Nützlichkeit der Insekten für den Menschen, die Notwendigkeit der Artenvielfalt sowie die Herausforderungen, die der Schutz dieser Vielfalt mit sich bringt, sind selbstverständlich ebenfalls Themen innerhalb des Projektes.

Das Burgenländische Volksbildungswerk – als Lizenznehmer von „Natur im Garten“ – ist außerdem berechtigt, jene Gärten, die nach den „Natur im Garten“-Kriterien gestaltet und gepflegt werden, mit der „Natur im Garten“-Plakette auszuzeichnen.
Eigens dafür in Tulln ausgebildete (ehrenamtliche) MitarbeiterInnen des Burgenländischen Volksbildungswerkes begutachten bei Interesse für diese Zwecke die Gärten und entscheiden über die Vergabe der Plakette. Interessierte können diesbezüglich beim Burgenländischen Volksbildungswerk Informationen einholen.

Aber auch im Rahmen von Kooperationen mit Schulen und Kindergärten bietet sich die Möglichkeit, Projekte rund um die vorliegende Thematik anzubieten. Im Zuge dessen werden schon Kinder und Jugendliche für Naturthemen sensibilisiert.

Privatpersonen, Schul- und KindergartenpädagogInnen sowie GemeindevertreterInnen sind herzlichst eingeladen, das Burgenländische Volksbildungswerk zu kontaktieren und so auch in ihrer Heimatgemeinde Veranstaltungen im Rahmen von „Der Natur ihren Freiraum geben“ zu initiieren.

Text: Judith Tscheppe
Fotos: Natur im Garten – Alexander Haiden