„… den Vormarsch dieses Regimes einen Millimeter aufgehalten zu haben ...“ Österreichische Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Der Präsident des Nationalrates Wolfgang Sobotka lud am 23. Jänner 2019 anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocausts zur Veranstaltung „Österreichische Frauen im Widerstand“ in die Wiener Börsesäle.

In seiner Begrüßung erinnerte der Nationalratspräsident daran, dass vor 100 Jahren, am 16. Februar 1919, die ersten freien Wahlen in Österreich stattfanden und dabei erstmals auch Frauen wahlberechtigt waren. Dieses Wahlrecht für Frauen stellte den Ausgangspunkt für die Möglichkeit der demokratischen Partizipation dar. „Der Nationalsozialismus versuchte jedoch ein Frauenbild zu prägen, das Frauen auf ihre Rolle als Mutter und später als Arbeitskraft für den Krieg reduzierte. Umso bemerkenswerter ist es, dass sich viele Frauen im Widerstand betätigten, diese Widerstandskämpferinnen wollen wir mit dieser Veranstaltung in das Bewusstsein der Menschen bringen.
Die Biografien der vorgestellten Frauen mögen uns alle ermutigen, die Stimme gegen jede Form des Rassismus zu erheben.“

„Würden wir eine Schweigeminute für jedes Opfer der Shoah abhalten, wäre es elf Jahre lang still“, mit diesem Satz begann Claudia Prutscher, Vizepräsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde, ihre Ausführungen.
„Die Shoah hat nicht in Auschwitz begonnen, am Anfang war der Hass, es folgten Ausgrenzung und Verfolgung.“ Daher müsse „Gedenken der Zukunft dienen und deshalb ist der Kampf gegen Hass und Ausgrenzung das erste Gebot, das sich aus dem Holocaust-Gedenken ableitet“.

Ilse Korotin, die Leiterin der Dokumentationsstelle Frauenforschung am Institut für Wissenschaft und Kunst, sowie die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen am IWK, Christine Kanzler und Karin Nusko, haben in sehr beeindruckenden und berührenden Referaten die Widerstandskämpferinnen in den Mittelpunkt gestellt und darauf verwiesen, dass diese Frauen aus allen weltanschaulichen Lagern und Lebenssituationen kamen, im organisierten, aber auch im sehr individuellen Widerstand aktiv waren.

Ursula Strauss las unter dem Titel „Erinnerungen“ aus Texten von Antonia Bruha, Irma Schwager, Ella Lingens, Frida Meinhardt, Irma Trksak, Hermine Zaynard und Anna Bertha Königsegg. Betroffenheit über das Schicksal dieser Frauen, Achtung und Anerkennung, Respekt vor ihrem Mut waren in diesem Moment bei den zahlreichen BesucherInnen dieser Veranstaltung besonders spürbar.

Die musikalische Umrahmung der Gedenkveranstaltung fand in Kooperation mit der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien – statt.

Fotos: © Parlamentsdirektion / Johannes Zinner