70 Jahre Koordinierungsausschuss: Fest der interreligiösen Begegnung im Wiener Rathaus
Eine festliche Stimmung prägte am 19. Oktober die Feierlichkeiten des 70-jährigen Jubiläums des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit (KooA) im Wiener Rathaus.
Markus Himmelbauer, ehemaliger Generalsekretär des KooA, führte das Publikum durch sieben Jahrzehnte Geschichte: Gegründet nach der Shoa auf Anregung des Judaistik-Doyens Kurt Schubert durch Kardinal Franz König, trug der Ausschuss wesentlich dazu bei, ein neues Verhältnis zwischen Judentum und Christentum in Österreich aufzubauen. Dialog, Bildung, öffentliche Kommunikation und Wissenschaft zählen bis heute zu den Kernarbeitsbereichen. Dem Vorstand gehört laut Statuten je ein Drittel jüdischer, evangelischer und katholischer Vertreter*innen an. Regina Polak amtiert derzeit als Präsidentin, Yuval Katz-Wilfing als Geschäftsführer.
Die Zusammensetzung der Festgemeinschaft machte sichtbar, dass die interreligiöse Vernetzung des Koordinierungsausschusses über eine breite Praxis verfügt. Die Grußworte und die Anwesenheit von Vertreter*innen unterschiedlicher Religionsgemeinschaften ließen diese Vernetzung den ganzen Abend über spürbar werden. Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig betonte in seinem Grußwort, wie wichtig eine respektvolle und vertrauensvolle Zusammenarbeit der Religionen für die Stadt Wien sei. Bundespräsident Alexander van der Bellen sowie Wiens Oberrabbiner Jaron Engelmayer übersandten Videobotschaften zum Jubiläum. Generalsekretär Georg Primas überbrachte Glückwünsche in Vertretung des Rings Österreichischer Bildungswerke.
In seiner Rede erinnerte der Linzer Bischof Manfred Scheuer, dass echter interreligiöser Dialog viel mehr sei als ein rein theoretischer Austausch. Es brauche die Begegnung mit dem Anderen, von Angesicht zu Angesicht. Die jüngere Generation machte deutlich, dass dieser Dialog über den christlich-jüdischen Rahmen hinauswachsen soll: Julia Verbeek (Mitarbeiterin im Koordinierungsausschuss), und Leonhard Jungwirth, (AEBW/ASH-Forum, Mitgliedseinrichtung im Ring Österreichischer Bildungswerke), sprachen sich dafür aus, trotz unterschiedlicher Perspektiven im Gespräch zu bleiben und den Dialog auch auf den Islam und Menschen ohne religiöses Bekenntnis auszuweiten.
Ein emotionaler Höhepunkt des Abends war der Auftritt von Publizistin Ruth Steiner: Sie appellierte mit „Nie wieder!“ an die kollektive Verantwortung aller nach der Shoah geborenen Christ*innen und Jüd*innen, begleitet von Standing Ovations des Publikums.
Fotos: Ouriel Morgensztern



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