Bienen, Bäume und Beteiligung – was die Stadt alles kann
Ein Nachmittag im 5. Bezirk zeigte, wie die Förderung von Artenvielfalt, Klimawandelanpassung und aktive Mitgestaltung im Alltag aussehen können – und wie nah man Bienen auf einem Wiener Stadtdach kommen kann.
Was braucht eine Stadt, um trotz Verdichtung, Hitze und Verkehr lebenswert zu bleiben? Beim Stadtspaziergang zu Artenvielfalt und Klimawandelanpassung am 8. Mai machten wir uns gemeinsam auf den Weg durch den 5. Wiener Gemeindebezirk – Margareten – und fanden auf drei Stationen konkrete Antworten.
Bezirksvorsteher Michael Luxenberger startete mit uns am Heinz-Jerabek-Platz, auch Bräuhausspitz genannt. Bei einer „Bevölkerungsdichte wie in Manhattan“ sind Grün- und Biodiversitätsflächen im Grätzel besonders wichtig. Heimische Sträucher leisten hier mehr als bloße Ästhetik: Sie bieten Bienen und Vögeln Lebensraum, stärken die Artenvielfalt mitten in der Stadt und schaffen Schattenplätze. Gleichzeitig bleibt die Frage der Parkplätze ein Konfliktthema – ein Spannungsfeld, das viele Grätzel kennen.
Die zweite Station führte uns zu einem Gemeindebau, den Laslo Vince von der GB* (Gebietsbetreuung Stadterneuerung) als Niedrigstenergie-Haus vorstellte. Im Vergleich zu unsaniertem, aber auch zu saniertem Altbestand bedeutet das eine deutlich niedrigere Energiebilanz – ein relevantes Argument angesichts steigender Energiekosten und Klimazielen.
Die Herausforderungen einer Altbausanierung sind dabei nicht zu unterschätzen: Fernwärmeanschlüsse sind dort teuer, wo viele Laufmeter an Anschlussleitung erforderlich sind. Eine der Stärken von Wärmepumpen ist, dass sie außer Strom keine Anschlüsse benötigen. Ein umfassender Beteiligungsprozess der Anwohner*innen bei der Verkehrsplanung führte weiters dazu, dass aus dem ursprünglich geplanten zweispurigen Ausbau der Reinprechtsdorferstraße letztlich nur eine Fahrspur wurde – ein konkretes Beispiel dafür, wie Mitgestaltung den öffentlichen Raum verändert.
Auf dem Weg zwischen den Stationen fiel der Blick immer wieder auf die Baumscheiben von „Garten ums Eck“ entlang der Gehwege, die von der GB* betreut und von Anwohner*innen gestaltet werden.
Der Abschluss des Spaziergangs führte uns auf das Dach des Franziskus Spital, wo Adriana Traunmüller, Imkerin der Wiener Bezirksimkerei, uns die dort angesiedelten Bienenstöcke des Lagenhonigs zeigte. (Biologisches) Imkern gilt als die am wenigsten invasive Form der Landwirtschaft in Wien.
In der Stadt wird deutlich weniger gespritzt als auf landwirtschaftlichen Feldern, vor allem aus gesundheitlichen Gründen für Fußgänger*innen und Anrainer*innen. Balkongärten, Blumenkästen und öffentliches Grün sorgen zusätzlich für ausreichend Wasser und Blüten. Stadtbienen, so lernten wir, haben es oft besser als ihre Artgenossen auf dem Land.
Die ganz Mutigen durften abschließend die Bienen streicheln. Wer hätte gedacht, dass wir ihnen auf einem Wiener Dach so nah kommen können?
Ein großes Danke an die Sprecher*innen und allen Teilnehmer*innen für den offenen Austausch!
Ein weiterer Stadtspaziergang im Rahmen des Horizon Europe Projekts eNaBls ist für Mitte Juni geplant. Weitere Infos folgen in Kürze.
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