Nachruf Christian Kloyber
Mit großer Betroffenheit nehmen wir Abschied von Christian Kloyber (1955–2026), einem Menschen, der die österreichische Erwachsenenbildung über Jahrzehnte hinweg geprägt und bereichert hat. Sein Wirken war getragen von wissenschaftlicher Klarheit, menschlicher Zugewandtheit und einem tiefen Vertrauen in Bildung als demokratische Gestaltungskraft.
Christian Kloyber wurde in Wien geboren und studierte Germanistik und Geografie an der Universität Wien. Früh führte ihn sein wissenschaftlicher Weg nach Mexiko, wo er als Lektor, Forscher und in leitenden Funktionen am Instituto Politécnico Nacional tätig war. Seine intensive Auseinandersetzung mit dem österreichischen Exil in Mexiko wurde zu einem zentralen Bestandteil seines Lebenswerks. Er war Mitbegründer eines Forschungsinstituts für Exilforschung, arbeitete für das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands und erhielt für seine wissenschaftlichen Leistungen die mexikanische Auszeichnung Aguila Azteca.
1990 kehrte er nach Österreich zurück und widmete sich fortan mit großer Hingabe der Erwachsenenbildung. Am Bundesinstitut für Erwachsenenbildung (bifeb) gestaltete er zentrale Entwicklungen in den Bereichen Sprachen, Basisbildung, selbstgesteuertes Lernen und europäische Bildungsprogramme. Von 2015 bis 2020 leitete er das Institut und prägte dessen strategische Ausrichtung.
Christian Kloyber verstand Erwachsenenbildung als demokratischen Auftrag. Ein besonderer Schwerpunkt war für ihn die Gemeinwesenarbeit, die – als Herzstück sozial verankerter Bildungsprozesse – Räume für Begegnung, Teilhabe und lokale Gemeinschaften öffnet.
Es bestand eine enge Verbundenheit mit dem Ring Österreichischer Bildungswerke, dessen Anliegen er mit großer Überzeugung unterstützte. Diese Verbundenheit zeigte sich besonders in der langjährigen Kooperation rund um die Tagungen zur Gemeinwesenarbeit am bifeb in Strobl. Für ihn waren diese Tagungen Orte des lebendigen Austauschs, an denen Theorie und Praxis einander begegneten und neue Impulse für die Weiterentwicklung gemeinschaftsorientierter Bildungsarbeit entstanden. Mit seiner ruhigen Klugheit öffnete Christian Kloyber Räume für Austausch, verband Perspektiven und ermutigte Menschen, ihre Erfahrungen einzubringen. Sein Satz: „Erwachsenenbildung ist Ermächtigung und gemeinsames Entwickeln“ fasst seine Haltung treffend zusammen.
Neben seiner Tätigkeit im Bildungsbereich engagierte sich Christian Kloyber weiterhin in der Exilforschung, im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, in der Exilbibliothek des Literaturhauses Wien sowie in Vorständen der Freien Radios. Für sein vielfältiges Wirken erhielt er das Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich. Seine zahlreichen Publikationen in mehreren Sprachen zeugen von seiner intellektuellen Neugier und seinem internationalen Blick.
Der Ring Österreichischer Bildungswerke verliert mit Christian Kloyber einen wichtigen Partner, Mitdenker und Menschen, der die Idee der gemeinschaftsstiftenden Bildungsarbeit in besonderer Weise verkörperte. Sein Engagement hat Spuren hinterlassen – in Projekten, Konzepten, Tagungen und vor allem in den Menschen, die mit ihm gearbeitet haben.
Wir verabschieden uns von einem außergewöhnlichen Erwachsenenbildner mit Ecken und Kanten, der uns gelehrt hat, dass Bildung immer auch Beziehung bedeutet. Sein Wirken bleibt lebendig – in der Gemeinwesenarbeit, in der Erwachsenenbildung und in den vielen Initiativen, die er mitgestaltet hat. Und in unserer Erinnerung.
Foto (c) Sabine Holzner
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