Zum Hauptinhalt springen

Klimaschutz, Biodiversität und Denkmalschutz in der Wiener Innenstadt

Am 29. September spazierten wir 90 Minuten lang durch die Wiener Innenstadt, um zu sehen, an welchen Stellen Denkmalschutz und Klimaschutz aneinanderprallen.

Die erste Aufgabe des Stadtspaziergangs am 29. September 2026 (aka Climate Walk) bestand für die Teilnehmer*innen darin, die Gruppe zwischen den vielen Menschen am Michaelerplatz ausfindig zu machen. Hinter den römischen Ausgrabungen fanden wir uns schließlich pünktlich ein und starteten mit einer kurzen Einführung zur Projektkooperation zwischen eNaBls, dem Ring Österreichischer Bildungswerke und Climate Walk.

Cordula Loidl-Reisch, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für historische Gärten, stimmte uns anschließend mit einem historischen Abriss und Hintergrundinformationen zur Umgestaltung des Michaelerplatzes ein. Die stark umstrittene Umgestaltung wurde 2024 fertiggestellt. Heute zeigt sich die Österreichische Gesellschaft für historische Gärten damit prinzipiell zufrieden: Neun Bäume (Ulmen und Blaseneschen) sowie neue Sitzgelegenheiten haben es auf den Platz geschafft. Weniger zufrieden sei man mit den Grünstreifen am Rand der Hofburg. Und warum hätte eine versickerungsfähige Pflasterung am Michaelerplatz keinen Sinn gemacht? Weil der Großteil des 1. Wiener Gemeindebezirks unterkellert ist. Das Regenwasser würde so nicht in den Boden versickern, sondern in die Keller fließen.

Die stellvertretende Bezirksvorsteherin Patricia Davis gewährte uns auf dem Weg immer wieder Einblicke in die politischen Sichtweisen und Entscheidungsprozesse der innerstädtischen Umgestaltungen. Im Dialog mit Cordula Loidl-Reisch ergaben sich spannende Perspektiven für die Teilnehmenden. Einige wurden so zum Beispiel zum allerersten Mal auf die „Diversität der Blumentröge“ am Hohen Markt aufmerksam. Von der Straßendecke bis zur Parkgarage sind es übrigens nur 80cm Abstand, weshalb die Bäume in den erhöhten Trögen stehen müssen und nur kleinere Bäume gepflanzt werden können.

Einige hundert Meter weitere zeigte uns Patricia Davis umgesetzte Maßnahmen für eine grünere und Fußgänger*innenfreundlichere Schwarzenbergstraße: neue Sitzgelegenheiten, ein Hydrant als Wasserspender sowie die Reduktion von Parkplätzen. Sie wies außerdem auf den Strategieplan öffentlicher Raum hin, der neben Klimaanpassungsmaßnahmen auch auf eine bedarfsgerechte, barrierearme Gestaltung abzielt. Im Abstand von 10 Metern wurden Bäume gepflanzt (für den 1. Wiener Gemeindebezirk vergleichsweise viele) die in naher Zukunft einen durchgängigen Schatten spenden, und trotzdem den Blick auf das Palais Schwarzenberg weiterhin gewähren.

Im Stadtpark kamen wir beim gemeinsamen Ausklang und einem weiteren spannenden Beitrag auf weitere Aspekte zu sprechen: Aufenthalt und Erholung. Birthe Uhlhorn, Projektmitarbeiterin bei eNaBls und wissenschaftliche Projektmitarbeiterin am Institut für Landschaftsentwicklung, Erholungs- und Naturschutzplanung (BOKU), ließ uns das Alter einer Tilia cordata (Winterlinde) erraten (Spoiler: 102 Jahre!). Im Wiener Baumkataster sind alle Bäume der Stadt erfasst, analog erkennbar an ihren Plaketten. Wer sich den Baum selbst ansehen möchte: Er trägt die Nummer 4021. Die Krone hat einen Durchmesser von 10-12 Metern ergibt eine Schattenfläche von 94 m². Zum Vergleich: Wie viele Schirme  wohl nötig wären, um diese Fläche zu beschatten? Und selbst dann wäre der Effekt lediglich der Schattenwurf allein.

Im Laufe des Stadtspaziergangs erfuhren wir zudem Wissenswertes zu den Jubiläums- und Zukunftsbäumen und darüber, welchen wichtigen Nutzen Bäume, Parks und Grünräume haben. Vor allem auch für das gesellschaftliche Klima: Schattenplätze, Ruhezonen und Entspannungsräume sorgen für Abkühlung und klarere Luft. Aber – Stadtbäume werden durchschnittlich nur 30 Jahre alt.

Herzlichen Dank an alle Referentinnen und Teilnehmer*innen für den spannenden Stadtspaziergang, die interessanten Einblicke und den wertvollen Austausch!


Beitrag teilen:

Weitere Neuigkeiten

07.09.2026

Der Ring Österreichischer Bildungswerke in Zahlen

Weiterlesen
Veranstaltung Jour Fixe Bildungstheorie | Bildungspraxis
14.09.2026

Jour fixe Bildungstheorie | Bildungspraxis 2026/27

Weiterlesen
16.07.2026

EU-Politik live 2026

Weiterlesen